Der Schwedische Offizier von Haselünne
Als im Dreißigjährigen Kriege die Schweden in Haselünne von den Kaiserlichen belagert wurden, sah eines Abends ein schwedischer Offizier auf den Festungswällen nach, ob auch die Wachtposten ihre Pflicht täten. Um die Soldaten zu überraschen, kroch er wie ein Hund auf allen Vieren. Als er an einem Wachposten angekommen war, sprang er plötzlich empor und rief: „Die Parole!“ Die umherstehenden Wachposten waren starr vor Schrecken, denn im Dunkel der Nacht glaubten sie, einen wirklichen Hund oder gar einen Geist vor sich zu haben. Einer der Wachtposten aber ging auf das vermeintliche Tier zu und fragte: „Wenn du ein Hund bist, so sollst du es auch bleiben.“ Da verwandelte sich der Offizier in einen großen schwarzen Hund und lief davon; ein heller Schein deutete den Weg an, den er genommen hatte. Das Grab des Hundes liegt unter einem großen Stein auf dem Haselünner Marktplatz. Jeden Abend nach Einbruch der Dämmerung aber kommt das Ungetüm hervor und streift durch die Felder und Gärten, wo er die Leute erschrickt und sie ängstigt.
(nach Schirmener)
Die Sage von der Wertlake
Östlich von Eltern führt ein Sandweg in Richtung Käseforth zur Hase. Seitdem der Fährbetrieb zum alten Bauernhaus still-gelegt wurde, wird dieser Weg kaum noch benutzt. Kurz vor der Hase liegt linkerhand im Schatten der Kiefern ein tiefer Wasserkolk, auf dem eine geheimnisvolle Stille ruht. Der Kolk trägt den Namen Wertlake. In längst vergangenen Tagen stand dort, wo jetzt die Wasserfläche des Kolkes von ansteigenden Ufern umgeben ist, eine Ritterburg. Der Besitzer dieser Feste war unverheiratet. Eine Magd führte ihm den Haushalt. Von Gott und Gebet wollte der Ritter nichts wissen; um Gottes Gebote kümmerte er sich wenig. Statt an Sonn- und Feiertagen den Gottesdienst zu besuchen, hetzte er mit gleichgesinnten Freunden das Wild oder er saß mit ihnen zusammen auf seiner Burg, wo man aß und trank und sich die Zeit mit Würfelspiel vertrieb. Sehr oft mahnte ihn die Magd an die Erfüllung seiner Sonntags-pflicht und bat ihn unentwegt, das unchristliche Wesen aufzugeben. Doch der Junker ließ solche Worte ungehört verhallen. Es war an einem Weihnachtsabend. Der Ritter hatte nach einer Jagd seine Spießgesellen um sich versammelt. Das wüste Gelage fand selbst in der Frühe des Weihnachtsfestes kein Ende, als die Bauern der um-liegenden Höfe sich schon zur Christmette begaben. Auch jetzt bat die Magd ihren Herrn, den hohen Feiertag doch nicht zu entheiligen. Aber alles Mahnen war vergebens. Darauf verließ die Magd in trüber Stimmung den Rittersitz und begab sich auf den Weg zur Kirche, um der Christ-mette beizuwohnen. Als sie zurückkehrte, fand sie zu ihrem großen Entsetzen die Burg nicht mehr an ihrem Platz; sie war im Boden versunken. An der Stelle der Burg fand sich der dunkle Wasserkolk. Nur ihr persönliches Eigentum, Kleidung und Gebrauchsgegenstände fand sie am Ufer wieder.
(nach Simme)
Die Nonne vom Kreuzdamm bei Haselünne
Als in früheren Jahren die Straße von Haselünne nach Wettrup noch nicht ausgebaut worden war, führte an ihrer Stelle ein Kreuzdamm in Richtung Wettrup. Auf diesem Damm erschien den Leuten in der Dunkelheit häufig eine geheimnisvolle Nonne. Sie sprach kein Wort, sondern schloss sich den einsamen Wanderern an, bis sie an ein Wegkreuz kamen, welches kurz vor Haselünne am Wege stand. Bei diesem Kreuz verschwand dann jedes Mal die Nonne auf geheimnisvolle Weise. Einst kam ein Fracht-wagen von Wettrup und wollte nach Haselünne. Es war bereits dunkel geworden. Plötzlich erschien am Weges-rande die Nonne, setzte sich stillschweigend hinten auf den Wagen und fuhr mit bis zum Wegekreuz, wo sie ebenso plötzlich verschwand. Einmal hatte ein Haselünner Ein-wohner den Zug verpasst. Er musste in der Dunkelheit den weiten Weg von Lingen nach Haselünne zu Fuß zurück-legen. Auf einmal sah er die Nonne neben sich hergehen. Der Mann geriet in Furcht und beschleunigte seine Schritte. Aber die Nonne hielt mit ihm Schritt und wich nicht von seiner Seite. Dem Manne lief bei dem schnellen Gehen der Schweiß von der Stirne; er konnte aber die schweigsame Nonne nicht loswerden. Erst, als er am Wegekreuz ankam, war die Gestalt plötzlich von seiner Seite verschwunden.
Der Düvelsberg bei Kamphaus
An dem Wege von Kamphaus nach Bokeloh liegt der Düvelsberg mit dem Düvels-Upgang. Beides sind Hügel und Wallanlagen, die zum Hohen Walle gehören, der sich von Hofe bis Helte hinzog. In früheren Zeiten war ein Pastor in Bokeloh, welcher von Berßen stammte. Als dieser Geistlicher geworden war, wurde er Pastor in Berßen an der kleinen Kirche. Als er dann nach Bokeloh kam, wurde auch die Kirche zu Berßen in das Kirchspiel Bokeloh eingemeindet. Dieser Pastor konnte seine Heimat, die er über alles liebte, von Bokeloh aus nicht sehen. Deshalb ließ er von den Hörigen der Mark einen hohen Hügel auftürmen. Zuletzt musste der Sand in Säcken hinaufgetragen werden. Dabei wurde auch des Nachts gearbeitet. Da sich in der Dunkelheit die Leute das Arbeiten leichter machten, auch mehrfach Arbeiter ausblieben oder sich im Dunkeln versteckten, wurde ein Vorarbeiter ernannt, der die Arbeiter stets zählen musste. Dabei fehlte immer der eine oder der andere. Da begann der Vorarbeiter, gotteslästerlich zu fluchen. Man beschwor und warnte ihn. Aber er machte es nur noch schlimmer. Als er bei der Dämmerung wieder einmal fluchte und zählte, da war ein Mann zu viel da. Als der Vorarbeiter sich diesen Mann näher ansah, musste er zu seinem Entsetzen feststellen, dass der überzählige Arbeiter einen Pferdefuß hatte und hinkte. Da erkannte er in ihm den Teufel selbst. Da ergriffen Vorarbeiter und Arbeiter voller Angst die Flucht. Seit diesem Vorfall hieß dieser Berg nur noch der Düvelsberg.
Die Wölfe im Osterbrock
In früheren Zeiten war in Bückelte der Bauer Pels der Botengänger, welcher die Herrenbriefe zu befördern hatte. Sein Weg führte von Bückelte durch das Osterbrock. Da zu der Zeit das Osterbrock noch sehr unwegsam war und dickes Unterholz hatte, hielten sich dort noch Wölfe auf. Deshalb nahm der Botengänger auf seinem Gange zu seinem persönlichen Schutz zwei große, scharfe Hunde mit. Eines Tages, als er ohne die Hunde am Rande des Osterbrockes auf einer Wiese arbeitete, wurde er von einem Rudel Wölfe angefallen. Im letzten Augenblick gelang es ihm, sich auf einen in der Nähe stehenden Baum zu retten. Die Wölfe umringten den Baum und begannen bereits, die Erde unter dem Baum fortzuscharren, um den Baum zum Fallen zu bringen. In seiner Not versuchte der Mann, durch lautes Pfeifen seine Hunde herbeizulocken. Nach längerer Zeit hörten seine Hunde im Dorf Bückelte das ihnen gut bekannte Pfeifen ihres Herrn; sie liefen herbei, verscheuchten die Wölfe und befreiten dadurch ihren Herrn aus seiner gefährlichen Lage.
Der Teufel im Schimmelsand
Zwischen Bückelte – Lehrte und Teglingen war in früheren Zeiten noch keine Straße. Der Weg führte durch die Tannen über den Schimmelsand. Dort trieb der Teufel gern sein nächtliches Unwesen. Bald erschien er in der Gestalt eines mächtigen Hünen, bald als ein winziger Zwerg. Gern jagte er die nächtlichen Wanderer in Schrecken. Er legte sich ihnen auf die Schultern und ließ sich als schwere Last von ihnen bis an die Grenze des Schimmelsandes tragen. Dies sollte einst ein älterer Bauer aus Teglingen am eigenen Leibe erfahren. Da er nie an das Treiben des Bösen im Schimmelsande glauben wollte, hatte er oft darüber gespottet. Einst kam er am späten Abend von Lehrte und wollte nach Teglingen zurück. Um sich ein wenig auszuruhen, setzte er sich am Rande des Schimmelsandes auf einen Stein am Wege. Plötzlich fühlte er, wie sich von hinten zwei starke Arme um seinen Hals klammerten. Erschreckt sprang der Alte auf und wollte davon laufen. Deshalb nahm der Botengänger auf seinem Gange zu seinem persönlichen Schutz zwei große, scharfe Hunde mit. Eines Tages, als er ohne die Hunde am Rande des Osterbrockes auf einer Wiese arbeitete, wurde er von einem Rudel Wölfe angefallen. Im letzten Augenblick gelang es ihm, sich auf einen in der Nähe stehenden Baum zu retten. Die Wölfe umringten den Baum und begannen bereits, die Erde unter dem Baum fortzuscharren, um den Baum zum Fallen zu bringen. In seiner Not versuchte der Mann, durch lautes Pfeifen seine Hunde herbeizulocken. Nach längerer Zeit hörten seine Hunde im Dorf Bückelte das ihnen gut bekannte Pfeifen ihres Herrn; sie liefen herbei, verscheuchten die Wölfe und befreiten dadurch ihren Herrn aus seiner gefährlichen Lage. Aber der Teufel hatte sich fest an ihn geklammert und schnürte seine Arme so fest um seinen Hals, dass ihm fast die Kehle zugedrückt wurde. Mühsam schleppte sich der Alte mit seiner schweren Last von der Stelle fort, bis er an die Teglinger Grenze kam. Hier musste der Teufel von seinem Opfer ablassen, da sein Gebiet zu Ende war. Plötzlich fühlte der alte Bauer, dass die zentnerschwere Last von seinen Schultern wich und dass seine Kehle wieder frei wurde. Völlig durchnässt von Schweiß und zitternd wegen des ausgestandenen Schreckens kam der Bauer spät in der Nacht in Teglingen auf seinem Hofe an, gründlich von seinem Zweifel bekehrt.
Die Riesen von der Kreyenborg
Der adlige Herr Hermann Ignatius von Langen auf der Westkreyenburg führte mit seiner Gemahlin Gertrud von Lüninck ein fideles Leben. Bei den Gastereien bedienten zwei Riesen, die mit ihren Familien im Sundern zwischen Lahre und Kreyenborg wohnten. Der Bruchwald mit seinem moorigen Untergrund bot ein vorzügliches Versteck gegen die Riesenjäger, die „Werber“. An der Hase schaukelte in einer Bucht zwischen weißen und gelben Wasserrosen ein Fährfloß, auf dem man nach der Burg übersetzte. Dort tauchten die Riesen zu Beginn der Feiern auf und ver-schwanden zum Schluss wieder, als hätte das Darg sie verschlungen. Eines Tages kam ein Kiepenkerl in das Haus hinter der Hase und wollte Waren verkaufen. Die große Frau sagte ihm: „Das triffst du schlecht, denn ich bin ganz allein zu Hause mit unserem Kleinsten.“ Und da kam der Kleinste auch schon in die Haustür. Der Eingang war schon für das Riesenvolk abgemessen; aber das Jüngesken musste Kopf und Schultern tief beugen. Als der reisende Kaufmann das sah, lief er in seiner Angst durch die Hase. Als das letzte Gut auf der Kreyenborg 1830 verkauft wurde,erstanden 12 Heuerleute das ganze Besitztum und bildeten ein Dutzend Eigenerstellen, die jetzt den Dorfteil Kreyenborg ausmachen. Unter diesen befanden sich auch die Nachkommen der beiden Riesen, die sich nun Minnöhm und Backsen nannten. Sie verleugneten aber ihre Ab-stammung von den Riesen keineswegs und zeichneten sich durch auffallende Größe und Körperkraft aus. Einmal waren sie im Herbst bei Minnöhm am Dreschen des Saatroggens. Der große Minnöhm hatte sich einen starken und stämmigen Nachbarn zu Hilfe geholt. Als sie nach dem Drusch bei Tische saßen, prahlten sie gegeneinander an und jeder wollte der Stärkste sein. Der Nachbar wurde ärgerlich dabei und rief: „Du meinst wohl, du könntest allein etwas.“ Damit schlug er auf die dicke eichene Tischplatte, dass das Geschirr nur so tanzte. Minnöhm lachte nur und dann sauste seine Faust schon auf eine Ecke der Platte. Die Tischplatte bog sich, bebte und begann zu tanzen, quer durch die Küche bis vor das offene Herdfeuer. Der Nachbar machte große Augen und sagte gar nichts mehr. So wie die Faust, so war auch die Stimme. Einmal am Sonntag war alles Volk auf dem Wege zum Bokeloher Hochamt. Sie mochten schon eine Viertelstunde und vielleicht etwas mehr auf dem alten Kirchweg vom Hause entfernt sein. Da schoss es plötzlich Minnöhm durch den Kopf, dass er keinen Tabak mehr hatte. Schnell stellte er sich in die Haustür, legte beide Hände an den Mund und rief den Kirchgängern nach: „Bringt mir ein halbes Pfund Tabak mit.“ Und mittags hatte er den Tabak im Haus. Einst kam Minnöhm mit einem Schwarm Männer vom Haselünner Markt und hatte kräftig über den Durst getrunken. Bei der Hudener Brücke blieb Minnöhm stehen und sagte: „Kerls! Ich sehe nicht mehr scharf. Gleich beim Graben müsst ihr mir Bescheid sagen, dass ich den richtigen Anlauf nehme.“ Das taten sie denn auch, aber so, dass Minnöhm mitten in den breiten Graben sprang. Er schnaubte wie ein Walross. Aber als er an das andere Ufer kam, nahm er mit seiner breiten Brust einen gewaltigen Schwall Wasser mit. Die übrigen Männer waren inzwischen davongelaufen wie die Hasen vor dem Hund.
Die „Flucht nach Ägypten“
Am Wege von Bückelte nach Lehrte, wo dieser sich mit dem Wege von Hudenerfähr nach Teglingen kreuzt, steht ein Bildstock. Er stellt die Flucht der heiligen Familie nach Ägypten dar. Daher hat sowohl dieser Bildstock als auch die Wegekreuzung bei der Bevölkerung diesen Namen erhalten. An dieser Stelle hat ein Mann aus Teglingen vor längeren Jahren seinen Tod gefunden. Er war mit seinem Gespann unterwegs und verunglückte tödlich an dieser Stelle. Die Angehörigen des Verunglückten errichteten an der Unfallstelle den Bildstock und die Nachkommen halten ihn noch heute in Ordnung und sorgen für seine Unterhaltung.
Das aus Eichenholz geschnitzte Relief "Die Flucht nach Ägypten" hat einen würdigen Platz im Eingangsbereich des Pfarrheims St. Laurentius in Lehrte bekommen.
Die Hengste von der Kreyenborg
Vor vielen Jahren, als Hermann Ignatius von Langen noch Herr der Kreyenborg war, da herrschte dort ein lustiges Leben. Sehr häufig fanden große Gastereien statt, bei denen es hoch herging. Der Herr von der Kreyenborg besaß damals noch die Herrenmühle und die Westermühle, die er häufig besuchte. Vor seinem Wagen hatte er stets vier graue Hengste, mit denen er immer Galopp fuhr. In der ganzen Gegend war dieses stets galoppierende Gespann weit und breit bekannt. Da starb eines Tages eine nahe Angehörige des Schlossherrn und sollte in der Familiengruft in der Kirche zu Bokeloh beerdigt werden. Den Totenwagen wollte der Herr selber fahren. Auch diesmal sollte es wieder im Galopp gehen. Da ergriff der alte Kutscher des Gutes die Leinen, zügelte die Hengste zum ruhigen Schritt und rief aus: „Et geiht nich nao de Herrenmöhle; et geiht nich nao de Westermöhle; et geiht not Gräft herin!“
Der Goldschatz von der Kreyenborg
Als früher auf der Kreyenborg das alte Schloss noch stand, war sie von einem breiten Wassergraben umgeben. In diesem Graben ruhte ein großer Kessel mit einem Henkel. Der Kessel barg einen großen Goldschatz. Dieser Goldschatz konnte nur geborgen werden, wenn bei dieser Arbeit kein einziges Wort gesprochen wurde. Einst machten sich mehrere Männer von der Kreyenborg und von Lehrte an die Arbeit, um den Schatz zu heben. Diese Arbeit musste in der mitternächtlichen Stunde ausgeführt werden. Im Schweiße ihres Angesichtes waren sie bei der Arbeit und hatten den Kessel schon soweit gehoben, dass sie den Henkel ergreifen konnten. In der Freude über das Gelingen sagte der eine dieser Männer: „Wie häbbt üm!“ In demselben Augenblick riss der Henkel von dem Goldkessel ab und der Schatz rauschte in die Tiefe, wo er noch bis zum heutigen Tage ruht.
Die Bückelter Kapelle
In Klosterholte befand sich in früheren Jahrhunderten ein Gut der Tempelherren mit Kloster und Kapelle. In einer dunklen, regnerischen Herbstnacht pochte ein Bote stürmisch an die Pforte dieses Ordenshauses. „Macht auf“ Macht auf!“ rief er angstvoll. Dem Bruder Pförtner scholl der Alarmruf entgegen: „Wecket die Brüder und rettet euch! Es droht schwere Gefahr!“ Schnell füllte sich der kleine Burghof mit den Klosterinsassen, Priestern, Brüdern und Rittern in weißen Mänteln mit dem roten Kreuz. Der Bote berichtete: „Ich komme von Esterwegen. Dort ist das Gotteshaus zerstört; alle Brüder sind erschlagen. Eiserne Männer tauchten plötzlich aus den friesischen Mooren auf und überfielen bei Nacht das Haus der Templer. Überall liegen die Erschlagenen. Ich hörte, wie man vom Hause Klosterholte sprach und bin voraus gelaufen, um euch alle zu warnen!“ Fester umspannte die Faust der Ritter das starke Schwert. Der Komtur gebot, das Tor zu verrammeln und die Zugbrücke festzuwinden. Aber der Bote rang die Hände und flehte: „Fliehet! Unheil und Fluch ist euer Los. Der Vater der Christenheit hat euch preisgegeben und der allerchristlichste König wirft sich zum Ritter des ganzen Ordens auf. Ich habe Brief und Siegel gesehen. Ihr seid vogelfrei!“ Da erschauerten die Brüder des Ordens in Weh und Wut. Sie flohen hinaus und zerstreuten sich in dunkler Nacht auf den Schleichpfaden des Osterbruches. Niemand weiß, wo sie geblieben sind. Beim Morgengrauen aber kamen die eisernen Männer. Als sie das Nest ausgeflogen sahen, zerschlugen sie in sinnloser Wut die Einrichtungen des Klosters und verübten Greuel an heiliger Stätte. Das Kloster blieb ein Trümmerhaufen und der Fluch ruhte auf der entweihten Stelle.Einst hatte ein verirrter Wanderer dort Unterschlupf gesucht. Sein Haupt auf eine zersprungene Altarstufe gebettet, war er eingeschlafen. Da erschien ihm im Traum ein hochgewachsener Ritter in strahlender Rüstung, über welcher ein weißer Mantel mit einem roten Kreuz wallte. Deutlich hörte er ihn sprechen: „Sage den Anwohnern des Bruches, sie sollten das Heiligtum wieder aufbauen, aber nicht an dieser Stelle des Fluches. Das erste Tier, das auf dem Friedhof weidet, sollen sie „blind döken“ und dann laufen lassen. Wo es sich niederlegt, soll die alte Kapelle neu erstehen.“ Am anderen Morgen richtete der fremde Wanderer den Auftrag aus. An einem bestimmten Tage versammelten sich die Männer von Klosterholte, Haverbeck, Bramhar und Bückelte neben der zerstörten Kapelle. Da weidete in den Trümmern ein Ochs. Sie schlangen ihm ein festes Tuch über die Augen, gaben ihm einen Schlag mit der Gerte und folgten ihm von ferne. Geraden Wegs zog das Tier auf Bückelte los und ließ sich dort auf einer Anhöhe unter einer Eiche nieder, wo früher ein Götteraltar gestanden hatte. Dort wurde die zerstörte Kapelle der Tempelherren neu errichtet. Die Bückelter mussten aber alle Lasten tragen, die der Bau von ihnen forderte. Zwar gönnten ihnen die übrigen Markgenossen die Ehre nicht, sie konnten aber die Ausführungen des geheimnisvollen Befehles nicht hindern. So steht die alte Kapelle seit 550 Jahren noch heute auf dem Kapellenberg in Bückelte.
Wetzspuren an der Bückelter Kapelle
Die alte Kapelle in Bückelte trägt an ihrem Portal im Turm und am Kapelleneingang Steine im Mauerwerk, welche ganz eigenartig ausgehöhlt sind und tief eingeritzte Wetzspuren aufweisen. Diese Spuren gehen in das Mittelalter zurück. Während der unruhigen Zeiten und der Kriegswirren in früherer Zeit war das Landvolk noch be-waffnet und schütze sich selbst mit Schwert und Spieß gegen räuberischen Überfall. Vielfach standen die be-waffneten Emslandbauern auch unter der Führung ein-heimischer Adliger und Junker, worüber uns noch alte Chroniken berichten. Um nun Gottes Segen auf die Waffen herabzurufen und ihnen guten Waffenerfolg zu verleihen, wurden die Schneiden der Schwerter und die Spießspitzen an den Sandsteinen der alten Kapellen gewetzt und geschliffen. Deutlich erkennt man noch heute diejenigen Stellen in den Steinen, wo eiserne Geräte und Waffen ihre Schleifspuren hinterlassen haben. Aber auch aus dem Volksglauben heraus kam die Ursache dieser Ab-schleifungen an der Kirchentür und am Turm der Kapelle. Suchte nämlich eine verheerende Seuche das Hasetal wieder heim oder überzog die Pest der „Schwarze Tod“, das Land als Folge der Kriegswirren, dann nahm in der Abwehr der schweren Seuchen das Landvolk gerne Zuflucht zu abergläubischen Mitteln. Familienangehörige oder Nachbarn der Schwerkranken gingen dann zur Kapelle, kratzten von den Steinen des Heiligtums Sand ab und mischten diesen nach ihrem Glauben geheiligten Sand in das Getränk oder in den Heiltrank der Kranken. Sie glaubten, dass dieser von einem Gotteshaus stammende Sand und Staub eine ganz besondere Heilkraft habe. Wurde diese Sitte lange Zeit hindurch ausgeübt, dann zeigen die Steine an dieser Stelle eine glatte, wenig gerillte Spur. Nach der Tiefe und nach der Ausdehnung dieser Spuren im Stein kann man ermessen, dass dieser kindlich fromme Brauch der alten Bückelter lange Zeit hindurch aus-geübt worden ist.
Und die Kirche in Haselünne zeigt noch heute an ihren Sandsteinen die gleichen Spuren. Das ist ein Beweis dafür, dass auch in Haselünne der selbe fromme Brauch augeübt wurde.
Von den Bückelter Hexe
Eines Abends in der Dämmerung gingen zwei Männer aus Bückelte von Huden über die alte Fährbrücke nach Hause. Sie kamen an die Stelle, wo sich die beiden Wege nach Lehrte und nach Bückelte abzweigen. Hier ist früher ein heidnischer Friedhof gewesen. Daher war es hier nicht ganz geheuer, und die Leute erzählten sich, dass hier die Hexen ihr nächtliches Unwesen trieben. Der eine der beiden Männer glaubte nicht so recht an die Hexen, und herausfordernd rief er: „Alle Hexen, die hier sind, mögen einmal herkommen!“ Kaum hatte er diese Worte gerufen, so kamen drei Hasen angelaufen. Sie sprangen ständig um die beiden Männer herum und hinderten sie am Weitergehen. Die Männer schlugen mit ihren Stöcken um sich, um die unheimlichen Gesellen zu vertreiben. Aber sie konnten keinen von ihnen treffen, denn ihre Schläge gingen immer ins Leere. Erst in der Nähe von Schwindelers Hof ließen die Hasen von ihnen ab.
Vor vielen Jahren wohnte neben der Bückelter Kapelle ein Bauer namens Buchte. Er hatte ein Heuerhaus, welches nun abgebrannt ist. Darin wohnte ein Heuermann mit seiner Tochter. Eines Tages sagte dieses Mädchen zu ihrem Vater: „Ich kenne etwas von der freien Kunst. Komm mit, ich will es dir zeigen.“ Der Vater glaubte kein Wort davon; trotzdem ging er aus Neugierde mit. Das Mädchen holte einen Eimer und ging damit an die Hecke, welche die Grenze zwischen dem Heuerhaus und dem Hause des Bauern bildete. Hier setzte es sich hin und fing an zu melken. Eine Kuh war aber nicht da. Trotzdem füllte sich langsam der Eimer mit frisch gemolkener Milch. Das Staunen des Vaters nahm kein Ende und er sagte zu seiner Tochter: „Melk man wieder, bit de Emmer full is.“ Das Mädchen tat es. Noch am selben Abend fand man eine Kuh des Bauern Buchte tot im Stall.
In alten Zeiten lebte in einem abseits vom Dorfe gelegenen Bauernhof ein alter Bauer, welcher Witwer war. Im Hause hatte er viel unter dem Unwesen der Hexen zu leiden. Wenn irgend etwas nicht in Ordnung war, so schob er die Schuld daran den Hexen zu. Schließlich ließ er sich einen Schäfer kommen, von dem berichtet wurde, dass er Hexen vertreiben könne. Der Schäfer kam, ging durch das ganze Haus und machte in vielen Winkeln und Ecken der Räume Kreuzzeichen, wobei er gewisse Gebete sprach. Damit trieb er die Hexen alle miteinander an einer Stelle auf der Diele zusammen. Er bohrte ein Loch in einen großen Holzständer, jagte die Hexen hinein und trieb einen starken Holzpflock in das Loch. Dadurch waren die Hexen gebannt und konnten im Hause kein Unwesen mehr treiben.
Die Sage vom Hammer Berg
An der Straße von Haselünne nach Hamm - Bückelte liegen in den Hammer Tannen mehrere hohe Sanddünen, die vor langer Zeit eine einzelne Anhöhe bildeten. Sie werden von alten Leuten noch der Hammer Berg genannt. Als vor vielen hundert Jahren in Klosterholte die Niederlassung und das Kloster der Tempelherren zerstört wurde, erhielten die Bauern aus Bückelte die Erlaubnis, die Trümmer der zer-störten Klosterkapelle nach Bückelte zu schaffen und dort wieder zu errichten. Darüber wurde der Teufel sehr erbost. Denn in Bückelte hatte früher auf dem Platz, wo jetzt die Kapelle ist, eine heidnische Opferstelle gestanden. Nun wollte der Teufel unter allen Umständen die Erbauung eines christlichen Gotteshauses an dieser Stelle verhindern. Deshalb machte er beim Wiederaufbau der Kapelle zu Bückelte den Erbauern die denkbar größten Schwierig-keiten. Aber das half ihm alles nichts. Die Kapelle wurde trotzdem errichtet und sollte bereits eingeweiht werden. Da fasste der Teufel den Plan, die Kapelle mit Gewalt zu zerstören. Seine Macht aber reichte nur in der nächtlichen Geisterstunde von Mitternacht bis um ein Uhr. Der Teufel nahm einen riesigen Sack und flog damit nach Haselünne. Dort füllte er unmittelbar neben dem jetzigen Judenfriedhof den Sack voll Erde. Das große Loch, woraus er die Erde genommen hatte, lief bald voll Wasser und bildete einen See, der noch lange von den Haselünnern der Spansche See genannt wurde. Nachdem der Teufel nun nach Mitternacht seinen Sack gefüllt hatte, schwang er ihn mit einem gewaltigen Schwung auf seine Schulter und erhob sich dann mit ihm hoch in die Lüfte. Von oben wollte er den vollen Sack auf die Bückelter Kapelle schleudern, um sie dadurch völlig zu zerstören. Schon flog er mit seiner schweren Last kurz vor dem Dorfe Hamm, da dröhnte vom Haselünner Kirchturm der Glockenschlag um ein Uhr nachts. Damit war die Geisterstunde abgelaufen und die Macht des Teufels gebrochen. Im schrecklichen Zorn über seine Verspätung versuchte er trotzdem, den Sack noch nach der Kapelle zu schleudern. Aber der Sack fiel kraftlos nach unten und zerplatzte am Boden. Die herausquellende Erde bildete eine Anhöhe, die der Wind dann später in mehrere Dünen auseinander wehte. Das sind die Dünen im Hammer Sand.
Die Schlacht bei Haverbeck am 11. Januar 1636
Dodo von Knyphausen war von den Schweden zum schwedischen Feldmarschall für Westfalen ernannt worden. Er sollte im Gebiet von Niedersachsen die schwedische Herrschaft wieder herstellen. Sein Versuch, auch die Stadt Haselünne wieder in seine Gewalt zu bekommen, scheiterte an der Besatzung der Stadt. Um sich mit seiner im Raum Osnabrück stehenden Hauptmacht zu vereinigen, brach Dodo am frühen Morgen des 11. Januar 1636 mit 1400 Mann von Meppen auf. Der Weg führte am linken Haseufer über Helte – Lehrte – Bückelte nach Haverbeck. Aber in Haselünne hatten die Kaiserlichen unter Luttersum hiervon Kunde bekommen. Sie bereiteten hinter den Sandbergen, die sich südlich von Haselünne von der Schulmannshöhe nach Haverbeck hinziehen, einen Hinterhalt in einer Stärke von über 3000 Mann. Auf die sorglos dahinziehenden Schweden eröffneten sie ein plötzliches Musketenfeuer. Als Feldmarschall Dodo seine in Verwirrung geratenen Schweden wieder ordnen wollte, wurde er rücklings durchs Haupt geschossen und blieb tot liegen. Aber die Schweden fassten sich schnell und griffen sofort den Feind an. Nach drei scharfen Salven wandten sich die Kaiserlichen zur Flucht und ließen über 1000 Mann auf dem Kampfplatz. Von diesen war ein großer Teil in das Wasser der Hase gejagt worden und ist darin ertrunken. Etwa 500 Soldaten wurden gefangen genommen, unter ihnen auch ihr Anführer Luttersum. Die Schlacht bei Haverbeck lebt noch im Volksmunde. Rot gefärbt war das Wasser der Hase von den vielen Erschlagenen. Kaiserberg heißt ein Hügel an der Landstraße, wo der Weg nach Wester abbiegt. Düvelsberg wird eine steile Erhöhung bei Wester genannt, auf der ein Vorposten des Nahen der Schweden beobachtete. Verschüchterte Bauern, die ihr Vieh im Ringwalle des Ochsenberges zwischen Haverbeck und der Wester Schaftrift in Sicherheit gebracht hatten, erbarmten sich der Leichen der Soldaten, luden sie auf Leiterwagen und fuhren sie gen Haselünne zum Totenberg am Wege nach Lotten. Den toten Dodo von Knyphausen aber brachte die siegreiche Truppe unter der Führung des Obersten von Kratzenstein nach Meppen, wo er durch den noch jetzt sichtbaren Bogen des Torhauses zur Burg getragen wurde. Dann wurde Dodo zur feierlichen Leichenschau in die protestantische Pfarrkirche getragen, wo ihm der Super-intendent Brawe die Abschiedspredigt hielt. Jennelt in Ostfriesland ist seine letzte Ruhestätte. Der Sieg bei Haverbeck befestigte die Herrschaft der Schweden über das Emsland von neuem. Die Kaiserlichen räumten die festen Plätze und der Sohn Dodos wurde Oberkommandant in Meppen.
(nach Diepenbrock)
Der Wiedergänger von Haverbeck
Vor alten Zeiten, als das Gut Haverbeck an Meppen verkauft war, wurden zwischen den zu Meppen gehörenden Ländereien und den Ackerstücken der Bückelter und Haverbecker Bauern Grenzsteine gesetzt. Einst waren diese Grenzsteine versetzt, sodass es zu Streitigkeiten zwischen dem Rat der Stadt Meppen und den ein-heimischen Bauern kam. Den Täter konnte man nicht ermitteln. Aber nach seinem Tode musste er zur Strafe für die schwere Grenzverletzung jede Nacht als Wiedergänger an der Grenze entlang gehen. Dabei musste er immer laut rufen: „Verdwollen!“, das heißt verirrt. Sein Weg führte von der Bückelter Grenze an der Beeke entlang bis in die Haverbecker Wiesen. Niemand durfte ihm nachrufen, wenn er sich nicht schweren Schaden zufügen wollte. Eines Morgens ging ein Bauer aus Haverbeck mit fünf Mann in in der Frühe um 2 Uhr in seine Wiesen, um Gras zu mähen.
Als sie auf dem Wege zur Wiese waren, hörten sie den Wiedergänger rufen. Einer der Männer antwortete ihm: „Komm nur hierher, hier ist der rechte Weg.“ Sofort erscholl der Ruf des Wiedergängers ganz in der Nähe. Voller Angst warfen die Mäher ihre Sensen fort und liefen, so schnell sie nur konnten. Der Mäher, welcher geantwortet hatte, blieb eine ganz kurze Weile stehen, dann folgte er schnell den übrigen Männern. Als er sie wieder eingeholt hatte, berichtete er ihnen, dass er zwar keine Person, wohl aber einen Schatten gesehen habe.
Der Totenberg von Haverbeck
Zwischen Haverbeck und Bückelte liegt ein einfacher Heidehügel. Um diesen Hügel webt sich eine sonderbare Überlieferung. Vor ungefähr 150 Jahren kam es zwei Mädchen in den Sinn, nach Amerika auszuwandern. Sie waren die Töchter eines Heuermanns aus Haverbeck. Damals war die Reise nach Amerika noch sehr umständlich und gefährlich, besonders der Weg zum Hafen; denn die Reise dahin musste zu Fuß abgemacht werden. Manchen Taler hatten sich die Mädchen zusammengespart, um die Seereise bezahlen zu können. Aber sie wollten die Fuß-reise zum Hafen nicht gern allein machen und suchten daher einen Reisegefährten. Ein junger Mann aus Teglingen meldete sich als solcher bei ihnen an. Die Mädchen freuten sich, dass sie auf dem weiten Wege nicht allein waren. Als sie nun am frühen Morgen von ihrer Heimat Abschied genommen hatten, ging die Reise durch die Tannen los. Kaum aber waren sie aus dem Dorf, als den Knecht die Geldgier lockte. Er ermordete die beiden Mädchen und nahm ihnen alles Geld und die Wertsachen ab. Die Leichen begrub er in dem Heidehügel. Seitdem hat man von allen dreien nie wieder etwas gehört. Nach längeren Jahren fand in Haverbeck eine Treibjagd statt.
Am Heidehügel machten die Jäger Rast und setzten sich oben auf den Heidehügel. Plötzlich gab die Erde unter ihnen nach und zum Vorschein kamen menschliche Skelette. Nun grub man weiter nach und fand noch mehr Knochen. Sofort kam der Verdacht auf, dass dies die sterblichen Überreste der beiden verschwundenen Haverbecker Auswanderinnen seien. Diese Annahme wurde schließlich so allgemein, dass dieser Heidehügel im Volksmunde den Namen Totenberg erhielt, den er bis heute noch führt.
Das Paggenvehn von Klosterholte
Zwischen Haverbeck und Klosterholte liegt ein kleiner See, welcher Paggenvehn genannt wird. Hier stand in uralten Zeiten eine Burg, die dem Herrn von Haverbeck gehörte. Dieser Burgherr war durch sein wildes und wüstes Leben in große Geldnot geraten. Als einmal der Burgherr durch seine Felder ging und über seine Trübsal nachdachte, begegnete ihm der Teufel. „Warum bist du so traurig?“ fragte der Teufel. „Du kannst mir ja doch nicht helfen,“ entgegnete der Ritter. „Wenn du nach zehn Jahren mit mir gehst, will ich dir helfen. Aber vorher wollen wir beide noch einmal um die Wette reiten.“ Sie ritten dreimal um das enge Besitztum des Ritters. Nach diesem Ritt war der Besitzer nie wieder in Geldnot, er konnte herrlich und in Freuden leben. Nach zehn Jahren meldete sich der Teufel als Geldgeber und forderte zu dem fälligen Reitkampf heraus. Der Ritter ließ seinen besten Hengst satteln und gab dem Teufel das schlechteste Pferd. Trotzdem aber erreichte der Ritter nur mit größter Mühe sein Haus, vor dem Tore fiel er tot vom Pferde. Dreimal umkreiste ein großes Feuerrad die Burg, die danach mit Blitz und Donner in die Erde versank. An ihrer Stelle entstand ein großer Teich, der im Volksmunde Paggenvehn genannt wird.
Der Ochsenberg bei Klosterholte
Wenn man von Haverbeck zur Wester geht, kommt man am Ochsenberg vorbei. Die Hügelkuppe bildet eine weite Mulde. Hiervon berichtet die Sage folgendes: im Dreißig-jährigen Kriege waren die Landsknechte des tollen Christian im Anmarsch auf das Gebiet von Meppen. Der Bauern in Klosterholte und Haverbeck bemächtigte sich große Angst. Sie luden ihre Habe auf Wagen, trieben alles Vieh zusammen und machten sich auf den Weg zum Ochsenberg. In der Mulde auf dem Berge verbargen sie sich. Man band den Kühen und den Ochsen Säcke vor das Maul. Sie sollten durch ihr Brüllen das Versteck nicht verraten. Die Landsknechte kamen nach Klosterholte und Haverbeck. Als sie sahen, dass alle Bewohner geflüchtet waren, gerieten sie in große Wut. Als sie alle Häuser in Brand gesteckt hatten, zogen sie weiter. Die Bauern kehrten in ihre Dörfer zurück und begannen sofort mit dem Wiederaufbau ihrer Häuser.
Der Teufelsberg bei Wester
In unmittelbarer Nähe der Hase bei Wester liegt ein Sandhügel, welcher noch heute der Teufelsberg heißt. Hier trieb in alten Zeiten der Teufel sein Unwesen. Des Teufels Großmutter saß im Berg und backte dem Teufel Pfannekuchen. Bei diesem Sandhügel macht die Hase eine scharfe Kurve. Früher fuhren noch Schiffe auf der Hase bis Haselünne. Hier an der Kurve fuhren sie dann sehr häufig fest, sodass die Schiffer ihre große Last hatten, die Schiffe wieder flott zu bekommen. Schließlich glaubten sie, dass bei diesen Unfällen der Teufel seine Hand im Spiele hätte. Sie nannten deshalb diese Strecke und den dabei liegenden Hügel den Teufelsberg. Dieser Name hat sich im Volksmund bis heute erhalten.
Das versunkene Schloss in Lotten
Inmitten der Gemarkung Lotten war bis vor einiger Zeit eine Senke, welche rund war und etwa 40 Schritt im Durch-messer maß. Bei der Begradigung der Lotter Beeke wurde diese über die Senke geführt, wobei ein Bagger an der Stelle tief einsank, sodass er nur mühsam wieder gehoben werden konnte. Diese Stelle heißt der Mühlenbusch. Vor langen Zeiten stand hier ein wunderschönes Schloss, das von sehr reichen Rittern bewohnt war. Aber der Reichtum verführte die Ritter zur Streitsucht und Habgier, sodass das Geschlecht in sehr schlechten Ruf kam. Da die Ritter auch die Bewohner Lottens bedrängten und oft misshandelten, wurden sie allgemein verwünscht und verflucht. Da zog eines Nachts ein sehr schweres Gewitter über die Gegend. Ein flammender Blitz zuckte hernieder, dem ein gewaltiger Donnerkrach folgte. Am anderen Morgen war das Schloss verschwunden und tief in die Erde gesunken. Die Verwünschung war in Erfüllung gegangen.
Der Goldschatz im Lotter Mühlenbusch
Die Ritter von Lotten hatten vor vielen Jahren durch Raub und Erpressungen große Schätze angehäuft. Um das Gold zu verstecken, vergruben sie südlich von ihrem Schloss eine große Tonne voller Goldstücke. Damit niemand den Schatz finden sollte, leiteten sie den Bach über diese Stelle. Aber ein altes Weiblein hatte diesen Vorgang beobachtet und verriet später den Ort mit dem Schatz. Mehrere Männer machten sich daran, die Tonne mit dem Gold zu heben. Die alte Frau hatte ihnen alles genau beschrieben, sogar die Tiefe angegeben. Es war aber eine Bedingung mit der Schatzhebung verbunden. Während des Hebens durfte kein lebendes Wesen die betreffende Stelle überfliegen. Die Männer machten sich schweigend an die Arbeit, fanden alsbald auch die Tonne und begannen, sie zu heben. Schon freuten sie sich über den bald zu erwartenden Reich-tum. Da umkreiste plötzlich eine Fliege die Köpfe der Männer und flog dann geradeswegs über die Stelle, wo die Tonne bereits zum Vorschein kam. In demselben Augen-blick versank die Tonne mit dem glitzernden Reichtum mit unheimlicher Wucht wieder in den Boden, wo sie noch bis heute ruht.
Die Teufelsküche von Lotten
In den Lottener Waldungen unweit der Schulmannshöhe hauste vor langen Jahren eine Räuberbande. Im Walde hatten sie in einer Höhle ihr Versteck. Nicht weit von dieser Höhle entfernt führte der Weg von Bawinkel nach Haselünne. Über diesen Weg spannten die Räuber eine dünne Schnur. Kam ein Wanderer des Weges oder zog ein reisender Händler vorbei und stieß an diese Schnur, dann zerriss sie. Dadurch wurde in der Höhle eine Schelle in Tätigkeit gesetzt, welche durch ihren Ton den Räubern Kunde gab. Sofort eilten sie herbei, überfielen ihr Opfer und schleppten den Überfallenen in ihre Höhle, wo sie ihn ausplünderten. Häufig genug verlor dabei der Überfallene auch sein Leben. So wurde diese Stelle sehr berüchtigt und niemand wollte mehr allein ohne Schutz diesen Weg gehen. Die umliegenden Bewohner aber glaubten nicht an Räuber, sondern sie meinten, der Teufel selbst treibe hier sein Unwesen. Daher hieß die Höhle auch im Volksmunde die Teufelsküche. Später hat dann die Obrigkeit eingegriffen, die Räuber gefangen genommen und vor das Gericht gestellt. Der Name Teufelsküche hat sich aber bis zum heutigen Tage erhalten.
Das Steinkreuz von Andrup/Lage
Etwa 8 km südlich von Haselünne steht abseits in der Andrup-Lager Siedlung auf einer Bodenwelle ein schlichtes Steinkreuz. Das zwei Meter hohe Denkmal trägt auf der Vorderseite die Inschrift: „Kirchhausstätte der katholischen Gemeinde Lengerich in der Oranischen Glaubensver-folgung. Vom Jahre 1715 bis 1718, errichtet 1862“. Auf der Rückseite ist zu lesen: „Andenken der Glaubenstreue der Niedergrafschaft Lingen“.
Als im Jahre 1674 der münsterische Bischof Bernhard v. Galen die Grafschaft Lingen dem Oranier Wilhelm III. über-lassen musste, begann für die glaubenstreue katholische Bevölkerung eine Zeit größter Not. In kürzester Zeit mussten die katholischen Kirchen und Schulen geräumt werden. Die katholischen Geistlichen wurden ausgewiesen und ihre Beherbergung wurde mit schweren Geldstrafen geahndet. Von den Geistlichen wurden die heiligen Messen an den Grenzen der Grafschaft auf dem Gebiet von Münster und Osnabrück in Schafställen, Wohnhäusern und Scheunen gelesen. Die Bawinkeler zogen zur Messe nach Bramhar und Klosterholte. Die Lengericher kamen nach Lotten zum Bauern Harren-Jans, wo auch die Geistlichen Unterkunft und Verpflegung fanden. Für die Lengericher wurde im selben Bauernhause auch die Firmung gespendet. Auf derselben Stelle, wo jetzt das Steinkreuz steht, errichtete man im Jahre 1715 für das Kirchspiel Lengerich eine Notkirche. Diese Notkirche ist aber nur drei Jahre benutzt worden. Denn allmählich begannen für die Bewohner der Niedergrafschaft Lingen wieder bessere Zeiten. Sie konnten wieder in ihren Heimatorten ihre Kirchen besuchen und die Geistlichen durften, wenn auch mit gewissen Einschränkungen, wieder ihr Amt aufnehmen. Wenn auch die Notstätten während der Verfolgung nicht mehr benutzt werden brauchten, so ist doch die Erinnerung daran in der Bevölkerung immer wach geblieben. Die Notkirche an der Lotter Grenze ist dann später abgebrochen worden und das Material davon ging durch Verkauf teils nach Dohren, teils nach Haselünne. Da die Stelle dieses Kirchleins den Lengerichern aber stets in guter Erinnerung blieb, so errichteten sie an seiner Stelle ein hohes Steinkreuz mit der Inschrift.
"Ein Stück Lengericher Geschichte in Andrup/Lage"
Das Steinkreuz bei Westerlohmühlen
An dem Wege von Westerlohmühlen zur Loher Mühle, etwa 200 m von einem Gehöft entfernt, steht ein Steinkreuz, welches auf einem großen, flachen Stein errichtet wurde. Einst war ein älteres Ehepaar auf dem Wege nach Haselünne, um dort größere Einkäufe vorzunehmen, denn die beiden wollten am anderen Tage Richtfest feiern. Da zog ein sehr schweres Gewitter herauf. Als die beiden Eheleute die Stelle erreicht hatten, wo jetzt das Steinkreuz steht, wurden sie von einem Blitze erschlagen. Zur Erinnerung an diese traurige Begebenheit wurde das Steinkreuz errichtet.
Der Goldschatz im Westerloher Moor
Südlich des Weges von Westerloh nach Lähden liegt das Westerloher Moor. In uralten Zeiten beobachteten die Leute häufig im Moor einen hellen Schein, als ob dort ein Feuer brannte. Dieser Feuerschein haftete immer an derselben Stelle. Darüber unruhig geworden, forschten sie nach der Ursache dieser Erscheinung. Sie wandten sich schließlich an einen bekannten Geistlichen und baten ihn um Rat und Hilfe. Dieser forschte nach und deute ihnen an, dass dort an jener Stelle wahrscheinlich ein Schatz verborgen läge. Der Geistliche riet den Leuten, an der Stelle nachzugraben. Er schärfte ihnen aber ein, beim Graben nach dem Schatz kein Wort zu sprechen, sondern die Arbeit unbedingt stillschweigend zu verrichten. Mehrere Männer begannen nun fleißig zu graben. Während sie nun an der Arbeit waren, erschien bei ihnen plötzlich der Teufel in der Gestalt eines fremden Mannes. Er redete und redete mit den Arbeitern, aber niemand entgegnete ein Wort. Nach längerer, schwerer Arbeit stießen sie auf eine schwere eiserne Kiste. Da rief der Teufel, indem er auf einen der Grabenden zeigte: „Der mit der roten Mütze, der ist meiner!“ Der Angeredete erwiderte ärgerlich: „De di watt haustet!“ Im selben Augenblick versank die schwere Kiste wieder in die Tiefe und ist nie mehr gesehen worden
Die Teufelsberge bei Hülsen
Vor vielen Jahren saß einmal der Teufel bei dem Bauern Kuper in Hülsen hinter dem Ofen und war auf keine Art und Weise von dieser Stelle wegzubringen. In ihrer Not wandten sich die Hausgenossen um Hilfe an einen Geistlichen. Dieser riet ihnen, den Teufel auf einem Wagen an einen abgelegenen Ort zu schaffen. Die Hülsener Bauern fertigten daraufhin einen besonders schweren und festen Wagen an, luden den Teufel darauf und spannten ein besonders starkes Spann Pferde davor. Aber die Pferde konnten den Wagen nicht von der Stelle ziehen. Darauf spannte man alle Pferde des Dorfes vor den Wagen. Aber auch diese vermochten den Waren nicht zu bewegen. Nun halfen auch die Männer und Frauen den Wagen schieben. Jetzt glückte es ihnen, wenn auch mit größter Mühe, mit ihrer schweren Fracht den nahen Wald zu erreichen. Hier im Walde waren zahlreiche kleine Sandberge. Es war in der Nähe des Weges nach Westerlohmühlen. Dort luden sie den Teufel vom Wagen und ließen ihn bei den Sandbergen liegen. Hier trieb nun der Teufel sein Unwesen und ist des Nachts häufiger gesehen worden. Aber jedes Jahr kommt er dem Dorfe Hülsen um einen Hahnenschritt wieder näher.
Wie die Schwakenburger in Apeldorn den Zehnten holten
Auf der Schwakenburg in Andrup lebte eine Gutsherrin, welche bei den Bewohnern der Umgebung sehr verhasst war, weil sie gewalttätig gegen die Bauern, die ihr den Zehnten zahlen mussten, vorging. Auch das Dorf Apeldorn musste ihr den Zehnten entrichten. Mit vielen anderen Bauern weigerten sich auch die Apeldorner, der gewalt-tätigen Frau den Zehnten zu zahlen. Da verließ eines Tages ein sonderbarer Zug die Schwakenburg. Voran ritt die Gutsfrau mit ihrem Gemahl, dann folgten vier Wagen mit schwerbewaffneten Mannschaften; den Schluss bildeten drei Reiter mit Flinten und Gewehren. So ging es über die Hasefähre nach Apeldorn. Hier hielt der Gemeindehirt Hermann Rieters Wache bei den Schafen. Träumend saß er auf dem alten Hünenstein, als er plötzlich Wagengerassel und Pferdegetrappel vernahm. Schnell will er sich in Sicherheit bringen. Aber schon fassen ihn die Schwakenburger und schleppen ihn mit in das Dorf. Dort zwingen sie die Einwohner, sich zu sammeln und bedrohen jeden, der entweichen will, mit dem Tode. Dann lassen sie die Korngarben auf den Äckern aufladen und fahren damit ab. Ein Apeldorner, der durch einen Zaun kriechen wollte, wurde schwer misshandelt und blutig geschlagen. Mit dem geraubten Zehnten kam dann der kriegerische Zug wieder in der Schwakenburg in Andrup an.
Unsere Entwicklung
Aus kleinen Anfängen heraus sind wir mit konsequenter Hingabe und dem Anspruch an kontinuierliche Verbesserung gewachsen. Integrität und Zusammenarbeit sind dabei stets unsere Leitprinzipien geblieben. Wir leben für das, was wir tun – und möchten unsere Geschichte gerne mit dir teilen.